Vorarlberg: St. Gerold – Glaskunst von Pater Kim en Joong

Pater Kim en Joong gestaltete die Glasfenster in der Propstei St. Gerold.

von Patricia Begle

Berührungspunkte zwischen Kunst und Kirche gibt es viele. Selten genug aber fallen diese beiden Wirklichkeiten in einer Person mit solcher Wucht zusammen, dass sie zu einer einzigen verschmelzen. Pater Kim en Joong löst Grenzen auf und macht der Freiheit Platz. Allein zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen. Ausstellungen in Chicago und Tokio, Glasfenster in Chartres und Evry… das Schaffen des aus Korea stammenden Malers lässt staunen. Respekt stellt sich ein. Ein wenig verwunderlich erscheint dann sein Wirken in St. Gerold, einer kleinen Propstei in Vorarlberg. Ein Ort, der neben den zuvor genannten noch viel kleiner wirkt, als er es ohnehin ist.

Und dennoch verbindet den Künstler mit St. Gerold viel. Neben der wunderbaren Atmosphäre hier, die er als „Vorgeschmack des Himmels“ beschreibt, schätzt er die Freundschaft mit P. Nathanael Wirth, dem früheren Leiter der Propstei, der die verfallende Anlage wieder erneuert hat. Diese Verbundenheit hat P. Kim veranlasst, Glasfenster für die Kirche zu malen – als Geschenk!

Glasfenster in der Abtei St. Gerold, Grosses Walsertal. Gestaltet von Pater Kim en Joong - fotografiert von Andreas Riedmiller

Eine beeindruckende Persönlichkeit

Die neuen Fenster sind Anlass zu einer Begegnung mit dem Künstler. Denn erst die direkte Begegnung macht erfahrbar, was der künstlichen Welt des Internets nicht zu entnehmen ist, sie zeichnet ein Bild, das keine Fotografie festhalten kann. Kim en Joong ist kein Star. Aber er strahlt aus: Bescheidenheit, Klarheit, Freude. Als Gärtner oder Koch wäre sein Lächeln wohl von derselben Fröhlichkeit und seine Gestik ebenso achtsam. P. Kim sieht sich als Mensch, der einfach seine von Gott geschenkten Begabungen entfalten will – allein darum geht es.

Angesprochen von der Gnade

Kims künstlerische Begabung fand schon in der Jugend Raum zur Entfaltung. Sein Vater war Kalligraph und Kim absolvierte ein Kunststudium in Seoul. Dann arbeitete er als Kunstlehrer an einer katholischen Schule. Bis dahin hatte ihn das Christentum eher abgeschreckt, denn er kannte es nur über die zahlreichen protestantischen Sekten in seinem Land. Nun kam er durch die Eucharistiefeiern auf neue Weise in Kontakt mit dem christlichen Glauben. Besondere faszinierte ihn die Lehre der Dreifaltigkeit – die Einheit in der Verschiedenheit der Dreiheit. So fand er im Christentum seine Berufung. Er fand dort, was er im Buddhismus nicht finden konnte: Vergebung und Gnade. Noch heute bezeichnet sich P. Kim als Buddhist – allerdings ist der Buddhismus für ihn Philosophie, und nicht Religion. So ließ sich Kim im Alter von 27 Jahren taufen. Er kam in die Schweiz, um Kunstgeschichte zu studieren, und lernte den Orden der Dominikaner kennen. Mit 34 wurde er zum Priester geweiht. Seither lebt er als Ordenspriester und Künstler in Paris.

Das Äußere „aufnehmen“

Priester-Sein heißt für Père Kim, das Leben Christi fortzusetzen. Sein Leben wird so zum Geschenk an Gott, sein Tun zum Dienst an den Menschen. Das gilt auch für sein Künstler-Sein. Das ist für P. Kim eins. Für ihn dreht sich das menschliche Leben um das Motiv der Hingabe. P. Kim sieht sich als „Instrument“. Die Impulse, die von außen in sein Inneres treten, werden dort verwandelt, einem Prozess der Veränderung ausgesetzt. Im Malen kommen diese Dinge, die sich im Menschen „eine Ewigkeit lang vorbereiten“ nach außen, als Widerspiegelung des Inneren. Das geschieht rasch, mit höchster Konzentration und unglaublicher Kraft. „Jede Linie ist eine Inkarnation des Geistes, überall mischt er seine Kraft mit hinein!“

Wer liebt, hat schon verstanden

Père Kim gibt seinen Werken keinen Titel. Schönheit hat keine Grenzen – und Titel sind Eingrenzungen. „Wer meine Werke liebt, der hat verstanden, was ich möchte“, sagt er. Da braucht es keine Erklärungen mehr, die Sprache der Kunst ist universal. Und überwindet Grenzen: „Die Hand spricht, die Augen hören“, bringt er sein künstlerisches Tun auf den Punkt. Immer geht es um den Durst des Menschen nach Schönheit, um die Suche nach der größeren Fülle Gottes. Père Kim vermag mit seinem Werk und seinem Sein beides: den Durst zu wecken und ihn zu stillen. So kommt seine Kunst ihrem Ziel stets näher: Schritt für Schritt hineinzuführen in die immer größere Freude.

 

 

 

Père Kim en Joong

Geboren 1940 in Booyo in Süd-Korea, von 1959 -1963 Kunststudium in Seoul, ab 1967 Studium der Kunstgeschichte und der Theologie in Fribourg, 1970 Eintritt in den Dominikanerorden, 1974 Priesterweihe. 1989 fertigte P. Kim en Joong seine ersten Glasfenster an. Er wurde zu einem gefragten Künstler, dessen Fenster in vielen Kirchen und Kapellen zu sehen sind, unter anderem in Frankreich, der Schweiz, Irland, Italien und Österreich. Ausstellungen über sein Werk waren in der ganzen Welt zu sehen. Neben Glasfenstern und Bildern beschäftigt sich P. Kim auch mit Keramik. www.kimenjoong.com

Paster Kim en Joong
Foto © Patricia BegleKim en Joong

Die Probstei St. Gerold ist ein spiritueller Ort der Kraft und Besinnung

Abtei St. Gerold - Grosses Walsertal
Probstei St. Gerold – Grosses Walsertal
Modern und minimalistisch die Pfarrgemeindekirche St. Gerold. Das Altarbild, von Ferdinand Gehr aus Altstätten, zeigt die Menschwerdung Christi. Christi Geburt (l.), Kosmos (m.), (Jesus-Christus (m.), Abendmal (r.), Paradies (o.).
Foto © Andreas Riedmiller Modern und minimalistisch die Pfarrgemeindekirche St. Gerold. Das Altarbild, von Ferdinand Gehr aus Altstätten, zeigt die Menschwerdung Christi. Christi Geburt (l.), Kosmos (m.), (Jesus-Christus (m.), Abendmal (r.), Paradies (o.).

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Im Weinkeller
Foto © Andreas Riedmiller Im Weinkeller
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Foto © Andreas Riedmiller Im Weinkeller
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Foto © Andreas Riedmiller im Weinkeller

Probstei St. Gerold
Foto © Andreas Riedmiller Probstei St. Gerold

Quelle: Der Text stammt mit freundlicher Erlaubnis von Patricia Begle aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 35 vom 5. September 201o. www.kirchenblatt.at   Blog neu überarbeitet am 06.01.2016.

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