Nationalpark - Schwarzwald. Der Wildnispfad führt über Stämme, Wurzeln und liegendes Todholz. Mitten durch die Sturmwurffläche, die der Orkan -Lothar- im Dezember 1999 hinterlassen hat.
Allgemein Natur erleben Umwelt und Natur

Schwarzwald: Schöner wilder Nationalpark

von Andreas

Deutschland ist Waldland. Grimms Märchen, der Wolf und die sieben Geißlein, die böse Hexe und die Geschichte von Bambi spielen im Wald. Bis heute prägen alte Geschichten unsere Vorstellung von Wald und Natur.

In Deutschland gibt es seit der Römerzeit keinen Primärwald mehr. Die Rodung des Waldes und die Besiedelung im Schwarzwald begann Im 10 Jhd.. Man brauchte Brennholz für die umliegenden Städte, für Köhlerei und für Glasbläser. Holzstämme wurden über den Rhein nach Amsterdam geflößt. Die stärksten Tannenstämme gingen als Segelmasten für Handelsschiffe nach Holland. Höhepunkt der Entwaldung war gegen Ende des 18. Jhd.. Es waren nur noch zehn Prozent Waldfläche im Schwarzwald da. Soweit durfte es nicht wieder kommen. Später pflanzten Förster und Waldbauern neue Wälder. Man kultivierte vorwiegend schnellwachsende Fichten. Holz war Rohstoff und musste Gewinn bringen.

Nach Orkan „Lothar“ fand ein Wandel statt, naturnaher Waldbau findet mehr Anhänger. Man mischt Laubbaumarten unter die Fichtenwälder, um sie stabiler zu machen. Der Fichtenanteil soll in Zukunft auf 50 Prozent reduziert werden und sog. „Naturschutzinseln“ dazwischen sollen die Artenvielfalt im Forst sichern. Der BUND hat das Ziel, eine Fläche von 2 % als unberührte Wildnis unter Schutz zu stellen. Zur Zeit sind es 0,6 Prozent unseres Landes, die unter Naturschutz stehen.

Nationalpark Schwarzwald

Den höchsten Schutzstatus hat ein Nationalpark. Im Jahre 2014 wurde der Schwarzwald Nationalpark gegründet. Auf 10 000 Hektar Staatswald hat die Natur Vorrang vor dem Menschen. Der Nationalpark hat zum Ziel, Lebensräume langfristig zu erhalten. Nach einer Übergangszeit findet weder Jagd noch Forstwirtschaft statt. Natürlich ablaufende Prozesse werden geschützt und wissenschaftlich begleitet.

Kunst der Verwilderung

Drei Tage bin ich mit einer Gruppe im Nationalpark Schwarzwald unterwegs. Wir besuchen den Wildnispfad, den Lotharpfad, und den über hundert Jahre streng geschützten Bannwald am Wilden See. Ranger zeigen an diesen Beispielen, wie der gesamte Nationalpark in mehreren Jahrzehnten aussehen kann, wenn die Kunst der Verwilderung glückt.

Schöner, stiller, Schwarzwald Nationalpark
Foto © Andreas Riedmiller Schöner Schwarzwald
Im Nationalpark bleiben Bäume liegen und verrotten
Foto © Andreas Riedmiller Bäume bleiben liegen und verrotten.
Balzender Auerhahn
Foto © wildlife-media.at Balzender Auerhahn. Er braucht zum Überleben lichte, strukturreiche Wälder mit viel Heidelbeere und Deckungsmöglichkeiten.
Liegendes Totholz am Wildnispfad.
Foto © Andreas Riedmiller Zerfallsphase – Totholz am Wildnispfad.
Borkenkaefer - Ips typographus
Foto © Entomologie / WSL Fressmaschine Borkenkäfer (Ips typographus) – Achtzähniger Borkenkäfer. Weltweit gibt es über 5000 Borkenkäferarten. Der zwei Millimeter große Borkenkäfer ist bei Waldbauern gefürchtet. Er bohrt sich durch die äußere Borkenschicht der Fichte und nistet sich in der inneren, feuchten Kambiumschicht des Baumes ein. Nach der Befruchtung frißt er einen geraden Gang ins Kambium und legt bis zu 3000 Eier hinein. Daraus schlüpfen Larven, die sich nach allen Seiten durchfressen. Die Fraßschäden unterbrechen die Leitungsbahnen des Baumes, die Fichte vertrocknet von innen heraus. Da sich Borkenkäfer massenweise vermehren werden sie zur Gefahr für Fichtenmonokulturen. Im Nationalpark wird er als Teil der natürlichen Entwicklung des Waldes gesehen und nicht bekämpft.
Fressmaschine Borkenkäfer (Ips typographus),Achtzähniger Borkenkäfer (Model). Nach der Befruchtung bohrt der Borkenkäfer einen geraden Gang ins Kambium und legt bis zu 3000 Eier hinein. Daraus schlüpfen Larven, die sich nach allen Seiten durchfressen. Die Fraßschäden unterbrechen die Leitungsbahnen des Baumes, die Fichte vertrocknet von innen heraus. Da sich Borkenkäfer massenweise vermehren werden sie zur Gefahr für Fichtenmonokulturen.
Foto © Entomologie / WSL Nach der Befruchtung bohrt der Borkenkäfer einen geraden Gang ins Kambium und legt bis zu 3000 Eier hinein. Daraus schlüpfen Larven, die sich nach allen Seiten durchfressen. Die Fraßschäden unterbrechen die Leitungsbahnen des Baumes, die Fichte vertrocknet von innen heraus. Da sich Borkenkäfer massenweise vermehren werden sie zur Gefahr für Fichtenmonokulturen.

Am Wildnispfad

Zunächst zeigt uns Jens Liß den Wildnispfad. Die umgestürzten Baumstämme blieben nach einer Sturmkatastrophe im Jahre 1999 liegen. Jens erklärt uns an diesem Pfad natürliche Zusammenhänge und wie sich Natur ohne menschlichen Eingriff regeneriert.

Drunter und drüber geht es am 4,5 Kilometer langen Wildnispfad. Stämme liegen kreuz und quer am Weg. Wir klettern mühsam darüber oder kriechen unten durch. Um uns zu ermutigen sagt Jens: „Kinder sehen darin einen willkommenen Abenteuerspielplatz“. Große Wurzelteller stehen aufrecht am Pfad. Die Fichte ist ein Flachwurzler, bei Sturm oder Orkan fallen sie am schnellsten um. Die Tanne steht mit der herzförmigen Wurzel fester im Boden und die Buche mit ihrer Pfahlwurzel bricht bei Orkan im Baumkronenbereich ab.

Wettlauf und Konkurrenz um mehr Licht

Jens erklärt uns spannend, wie die vom Orkansturm verursachten Lücken mit nachwachsenden Pflanzen und Bäumen geschlossen wurden. Der Fachmann nennt diesen Vorgang Naturverjüngung oder Sukzession. Im Waldboden sind pro Quadratmeter viele tausende Samen latent verborgen, die Wind und Wasser mitbringen. Sobald die Samen Licht spüren, beginnen sie zu keimen, und der Wettlauf zu mehr Licht beginnt. Zunächst wachsen krautige Pflanzen, die nach einem Jahr absterben und im Folgejahr aufs Neue treiben. Bald wachsen holzige Gewächse, Büsche und Brombeeren. Im Schutz dieser Gebüsche wachsen lichtliebende Pioniere, wie Birken, Vogelbeerbäume, Holunder und andere Arten. Sie wachsen schnell in die Höhe und entkommen gefräßigen Waldtieren leicht. Die jährlich absterbenden Blätter bilden Humus und fruchtbaren Waldboden, der von Pilzgeflechten durchwoben ist. Dieses feuchte Substrat ist der richtige Nährboden für Baumkeimlinge: Rotbuche, Tanne, Fichte. Sie wachsen bis zu dreißig Jahren im Verborgenen. Dabei wird jede kleine Nische besetzt, die das schnellere Wachstum zum Licht ermöglicht.

Die Natur braucht den Mensch nicht.

Dem Auge bleiben manche Vorgänge verborgen, und vieles ist noch nicht erforscht. Nach dem Sturmereignis von 1999 kann man sehen, wie Naturverjüngung selbstständig funktioniert. Die Natur ist stark und vital, nach 50 bis 60 Jahren hat sich die vom Sturm gerissene Lücke im Wald geschlossen. Neue Bäume aus verschiedenen Arten und Altersstufen bilden jetzt den nachgewachsenen Wald. Das gibt Stabilität, schützt vor großflächigen Sturmschäden und beugt Borkenkäferbefall vor.

Mehrwert des Nationalpark

Jens zieht mit einem Ast einen weiten Kreis in den weichen Waldboden. Er erklärt den Lebenslauf eines Baumes und den Mehrwert des Nationalparks. Bäume überdauern viele Generationen Menschenleben. Die Fichte kann bis 900 Jahre alt werden, die Tanne 600, die Buche bis 400 Jahre.

Im forstlichen Anbau sind jene Bäume von Bedeutung, die ihren optimalen Holzzuwachs erreicht haben. Bei der Fichte ist dies im Alter von 80 bis 120 Jahren der Fall. Dann werden Fichtenkulturen in der Regel abgeholzt.

Im Nationalpark altern Bäume in Würde, bis sie morsch oder altersschwach umfallen. Dann beginnt die für den Nationalpark wichtige Zersetzungsphase des Baumes. Dies kann so lange dauern wie die Wachstumsphase, erklärt Jens. Ein Drittel der Waldfläche im Nationalpark soll totes Holz sein. Auf Stämmen bilden sich Algen, Flechten und Moose, die wie ein Schwamm Wasser speichern. Kleinstlebewesen und Pilze zersetzen Lignin und Zellulosefasern des Baumstammes. Darin lebende Mikroorganismen dienen als Futter für Raupen und Insekten, die von Vögeln, Mäusen und anderem Getier gefressen werden. Der Zyklus „fressen und gefressen werden“ kommt in Gang, bis zu Greifvögeln, zu Beutegreifern Luchs und Wolf, die am Ende der Nahrungskette stehen.

Aufgaben der Pilze

Pilze sind weder Tier noch Pflanze. Sie haben wichtige Aufgaben im Ökosystem des Naturwaldes. Pilzhyphen und Pilzmyzel sind oberirdisch unsichtbar, der größte Teil des Pilzes lebt im Boden. Zu sehen sind nur Fruchtkörper, die aus der Erde herauskommen. Im Bannwaldgebiet „Wilder See“ haben Pilzforscher 350 Pilzarten dokumentiert.

Der Rotrandige Fichtenporling wächst an morschen Stämmen, er wird wegen seiner schwarz-rot-gelben Umrandung auch „Deutschlandpilz“ genannt. Hocherfreut zeigte sich Patrick, als er die „Zitronengelbe Tramette“ entdeckt. Dieser Sonderling gedeiht, wenn ein Drittel totes Holz im Naturwald liegt. Diese beiden Pilzarten sind als „Fichtenzersetzer“ Anzeiger für hohe Qualität eines Urwald- oder Naturwaldgebietes.

  • Pilze töten Bäume ab und schaffen neuen Lebensraum für nachwachsende Generationen. Sie halten die Dynamik des Werdens und Vergehens in Schwung.
  • Pilze lösen mit Hilfe von Bakterien und Säuren mineralische Stoffe aus dem Gestein und machen sie für den Baum als Nährstoffe verfügbar.
  • Pilze lagern Mykorrhiza an Baumwurzeln an. Sie vergrößern deren Oberfläche, der Baum kann viel mehr Wasser aufnehmen. Im Gegenzug gibt der Baum seine Zuckersäfte an den Pilz ab. Der Pilz lebt in Symbiose mit dem Baum, weil er kein eigens Chlorophyll hat und keine Assimilation vornehmen kann.
  • Pilze sind die einzigen Lebewesen, die Bäume vollständig zersetzen.

Baumskelette als Lebensraum

Alte, morsche Bäume die noch stehen, sind Lebensräume von Höhlenbrütern. Spechte suchen unter der Rinde nach Nahrung und bauen Höhlen. Diese Höhlen bieten anderen Arten Wohn- und Kinderstube. Bevorzugt ziehen Eulen, der kleine Sperlingskauz und Fledermäuse in leerstehende Höhlen ein.

Der Wildnispfad führt über Stämme, Wurzeln und liegendes Todholz.
Foto © Andreas Riedmiller Der Wildnispfad führt über Stämme, Wurzeln und liegendes Totholz.
Ranger Jens Ließ zeigt Totholz.
Foto © Andreas Riedmiller Ranger Jens Liß mit Totholz.
Ranger Jens Ließ zeigt Todholz mit Rotfäule.
Foto © Andreas Riedmiller Ranger Jens Liß zeigt Totholz mit Pilzen und Rotfäule.
Am Wildnispfad
Foto © Andreas Riedmiller Urwald am Wildnispfad
Wildkatze
Foto © Andreas Riedmiller Auf leisen Pfoten kommt die Wildkatze zurück in den Schwarzwald.
Frauenfarn - Dryopteris dilix-femina
Foto © Andreas Riedmiller Frauenfarn – Dryopteris filix-femina
Der Orkan Lothar im Dezember 1999 knickte Baumstämme wie Streichhölzer.
Foto © Andreas Riedmiller Orkan Lothar knickte Stämme wie Streichhölzer.
Nationalpark, Schwarzwald. Der Wildnispfad führt über Stämme, Wurzeln und liegendes Todholz. Mitten durch die Sturmwurffläche, die der Orkan -Lothar- im Dezember 1999 hinterlassen hat.
Kiefernzweig
Nationalpark, Schwarzwald. Der Wildnispfad führt über Stämme, Wurzeln und liegendes Todholz. Mitten durch die Sturmwurffläche, die der Orkan -Lothar- im Dezember 1999 hinterlassen hat.
Ranger Jens Liß mit Hund Grisu
Wurzelgeflecht eines umgestürzten Baumes.
Foto © Andreas Riedmiller Wurzelgeflecht eines umgestürzten Baumes.
Zersetzungsprozess durch Rotfäule.
Foto © Andreas Riedmiller Duftet modrig – Zersetzungsprozess durch Rotfäule.
Drunter und drüber liegen die umgefallenen Bäume am Wildnispfad.
Foto © Andreas Riedmiller Drunter und drüber liegen die Bäume am Wildnispfad.
Sperlingskauz mit Maus
Foto © Arne Kolb / Nationalpark Schwarzwald Sperlingskauz mit Maus

Maskottchen des Nationalparks

Der winzig kleine Sperlingskauz ist Maskottchen des Nationalparks. Als Ranger Arne Kolb intime Details seiner Brutbiologie erzählt kommt in der Gruppe Gelächter auf:

Dem männlichen Sperlingskauz ist es verboten, in „ihre“ Bruthöhle zu steigen. Das Männchen muss jagen und Beute machen. Das anspruchsvolle Weibchen braucht verschiedene Bruthöhlen als Alternative zur Auswahl. „Sie“ wählt die passende Höhle zur Jungenaufzucht aus. Das Futter wird nicht direkt den Jungen gebracht, sondern erst in Depots gelagert. Das Weibchen kommt zum Männchen ins Depot, um Futter abzuholen (Beuteübergabe). „Er“ überreicht es ihr mit dem Schnabel und „sie“ bringt es den Jungen zum Füttern. Bei gutem Jagderfolg werden für die Beute mehrere Depots angelegt. Die Futterdepots dienen als Vorratslager für schlechte Jagdtage. Eulen jagen mit Auge und Ohr. Regen- und Windtage sind für Eulen schwierig, da sie durch störende Nebengeräusche ihre Beutetiere schlecht orten können.

Besonders stolz ist Ranger Jens auf den Dreizehenspecht. Er war jahrhundertelang im Schwarzwald verschollen. Der Dreizehenspecht braucht einen vielseitigen Lebensraum. Sein Nachwuchs ist spezialisiert auf Bockkäferlarven. Die gibt es in intakten Naturwäldern mit großem Altholzanteil. Unter anderem gibt es den Schwarzspecht, Buntspechte und den Auerhahn. Dazu später mehr.

Im Nationalpark wird keine Art bevorzugt. Jede Tier- und Pflanzenart hat den gleichen Stellenwert, Borkenkäfer wie Rothirsch, sagt Jens. Die „Kunst der Verwilderung“ ist geglückt, wenn die Balance hergestellt ist, wenn seltene Arten und die Wildkatze, die großen Beutegreifer, Wolf und Luchs zurückkommen.

Bannwald Wilder See

Am zweiten Tag sind wir mit dem Ranger Patrick Stader zum Bannwaldgebiet Wilder See unterwegs. Vom Nationalparkzentrum Ruhestein geht es leicht ansteigend durch Wirtschaftswald zur Seekopfgrinde.

An einem Aussichtsplatz bleiben wir stehen und sehen hinab auf den eiszeitlichen Karsee. Dieser Blick kommt meinem Ideal einer perfekten Naturidylle nahe. Im Vordergrund stehen uralte teils morsche und umkippende Baumriesen. Eine pinkfarbene Digitalis blüht dazwischen. Grüne kraftstrotzende Tannen stehen neben dürren Baumskeletten, die vom Borkenkäferbefall übrig sind. Tief unten, im Mittelgrund liegt der Karsee. Tannen-, Fichten- und Buchenwälder drum herum soweit das Auge reicht. Die vielen welligen Hügel im Hintergrund verlieren sich im Blau der Ferne und im Dunst des fortgeschrittenen Tages.

Was macht die Natur?

Der 75 Hektar große Bannwald steht seit über 100 Jahren unter Schutz: „Die Forstwirtschaft ist hier verbannt“, sagt Patrick. Seit dieser Zeit wird nichts gepflanzt, nichts gefällt und es werden keine Schädlinge bekämpft.

Ich stieg mit Patrick hinab zum Wilden See. Am Wegesrand steht eine knorrige Weißtanne mit zweigeteiltem Stamm. Man nennt sie „Großvatertanne“, sie hat ein Alter von 200 – 250 Jahren, meint Patrick. Unten am Karsee angekommen, rasten wir am Ufer. Wo sind Naturlandschaften ohne Zivilisationsspuren? Ein Platz zum Verweilen und zum Auftanken der Seele. Wir brauchen dringend unberührte Landschaften für die Zukunft. Gebiete, wo Natur Natur sein kann. Wo sich der Mensch zurücknimmt und achtsam auf die Natur blickt. Das ist zu finden an diesem eiszeitlichen Karsee.

So wie am Wilden See soll es später im ganzen Gebiet des Nationalparks aussehen. Wälder mit verschiedenen Baumarten und Altersstufen, mit totem Holz dazwischen, sollen ein gut strukturiertes Waldmosaik bilden.

Bannwaldgebiet Wilder See.
Foto © Andreas Riedmiller Naturidyll – Bannwaldgebiet Wilder See.


Das Gras Waldtrespe am Wegrand.
Foto © Andreas Riedmiller Waldtrespe am Wegrand.
Mit Ranger Patrik Stader zum Bannwald am Wilden See.
Foto © Andreas Riedmiller Ranger Patrick Stader im Bannwald
Im Bannwaldgebiet Wilder See, Fichte mit Borkenkäferschaden.
Foto © Andreas Riedmiller Bannwaldgebiet Wilder See, Fichte mit Borkenkäferschaden.
Bannwaldgebiet - Naturidyll am .Wilden See.
Foto © Andreas Riedmiller Bannwaldgebiet – Naturidylle am Wilden See.
Mit Ranger Patrik Stader zum Bannwald Wilder See.
Foto © Andreas Riedmiller Mit Ranger Patrick Stader zum Bannwald Wilder See.
Mit Ranger Patrik Stader im Bannwald Wilder See.
Foto © Andreas Riedmiller Ranger Patrick Stader im Bannwald Wilder See.
alte Weißtanne
Foto © Andreas Riedmiller  „Großvatertanne“ (Weißtanne – Abies alba) im Bannwaldgebiet Wilder See.
Bannwald Wilder See mit Kiefer.
Foto © Andreas Riedmiller Bannwald Wilder See mit Kiefer und Fichte.
Baumzersetzender Pilz Zunderschwamm.
Foto © Andreas Riedmiller Zunderschwamm.

Lotharpfad

Arne Kolb wird es schwer ums Herz, wenn er erzählt, was am 26. Dezember 1999 geschah. Er musste mit ansehen, wie der Orkan Lothar reihenweise schlagreife Fichtenstämme umlegt. „Ein Förster liebt seinen Wald. Neben dem Schaden an der Natur ist ein großer volkswirtschaftlicher Schaden entstanden. Der Holzpreis fiel ins Bodenlose “, sagt Arne. Schaulustige kamen, um das Szenario mit eigenen Augen zu sehen, obwohl Straßen gesperrt waren und es verboten war, in die Wälder zu gehen. Das Naturschutzzentrum Ruhestein kam auf die Idee, einen Lehrpfad einzurichten um die Öffentlichkeit zu informieren, was geschah und wie die Natur damit umgeht.

Um das Gebiet besser überschauen zu können, baute man Holzstege und Aussichtstürme. Der Weg wurde zu einer touristischen Marke und zu einer Attraktion die bis heute anhält. Arne erzählt: „ Meine Sicht auf die Natur hat sich nicht verändert, nur die Perspektive. Aus der Perspektive des Revierförster war es eine Katastrophe, da ein Förster für den Waldeigentümer Holzertrag erwirtschaften muss. Aus Sicht des Rangers war es eine Störung in der Natur. Im Gegensatz zur gepflegten Kulturlandschaften heilt die Natur Wunden aus Katastrophen von selbst. Man braucht Geduld und darf dieses Ereignis nicht nach menschlichen Gesichtspunkten werten. Für die Natur ist eine Katastrophe eine Chance für den Neubeginn.“

Manche Urlauber des Schwarzwaldes kommen jedes Jahr zum Lotharpfad. Sie sind fasziniert, wie schnell sich das Gebiet regeneriert. Fünfzehn Jahre nach dem Orkan ist es deutlich zu sehen. Der Wald gedeiht selbstständig, und mehr als 28 Baum- und Straucharten wachsen. An diese Sturmkatastrophe erinnert liegendes und stehendes Totholz, sowie senkrecht stehende Wurzelteller der Fichten am Wegesrand.

Borkenkäfer Management

Von Rangern lernten wir, dass der Borkenkäfer im Nationalpark als gleichberechtigtes Tier gilt wie jedes andere. Er hat seine Funktion und ökologische Aufgabe. Der Borkenkäfer befällt Fichten, die dann absterben. So wird Raum für Neues geschaffen.

Großflächiger Borkenkäferbefall ist ein Schaden im Forst. Damit es nicht soweit kommt, gibt es im Nationalpark einen sog. „Borkenkäfer Managementplan“. Um den Nationalpark gibt es eine 500 Meter breite Pufferzone, die angrenzenden Wälder schützen soll. Wöchentliche Kontrollen in der Pufferzone lokalisieren die Käferbäume, um sie Notfalls einzeln zu entfernen. Damit kann erfolgreich verhindert werden, dass der Borkenkäfer angrenzende Gebiete erreicht. Wenn es heiß und trocken ist, kann er in einem Sommer mehrere Generationen entwickeln und in Fichtenmonokulturen große Schäden anrichten.

Grindenlandschaft

Zehn Tausender Berge stehen im Schwarzwald. Gemeint sind die Grinden: Hornisgrinde, Seekopfgrinde, Schliffkopf…. Wer einen Berggipfel wie in den Alpen erwartet ist enttäuscht. Das Wort „Grind“ kommt aus dem schwäbisch-alemannischen Sprachraum und bedeutet soviel wie „kahler Kopf“. Es sind keine Gipfel, sondern große, weite Bergheiden die aus dem Hügelmeer des bewaldeten Schwarzwaldes herausragen. Wir besuchen mit Arne Kolb den Schliffkopf unweit des Hotels Schliffkopf. Ein schöner, breiter Fußweg führt hoch. Am Wegesrand weiden Hinterwälder Rinder. Die Landschaft ist offen und teilweise bewachsen mit Latschenkiefern. Es ist eine extensiv bewirtschaftete, artenreiche Kulturlandschaft. Wiesenpflanzen benötigen offene, sonnige Flächen. Die Grinden sind wegen der schönen Aussicht bei Wanderern beliebt. Wären im Sommer keine Rinder auf diesen Wiesen, würde sich in wenigen Jahren Wald ausbreiten und die schöne Flora geht zurück.

Durch die Sturmwurffläche, die der Orkan -Lothar- im Dezember 1999 hinterlassen hat führt der Lotharpfad - Sukzessionsfläche
Es grünt so grün am Lotharpfad – Sukzessionsfläche.
Ranger Arno Kolb
Foto © Andreas Riedmiller Arne Kolb – früher Revierförster heute im Nationalpark Ranger
 Der Wurzelteller einer Fichte erinnert an den Superorkan vom zweiten Weihnachtsfeiertag 1999.
Foto © Andreas Riedmiller  Der Wurzelteller einer Fichte erinnert an den Superorkan vom zweiten Weihnachtsfeiertag 1999.
Wanderer am Lotharpfad.
Foto © Andreas Riedmiller Wanderer am Lotharpfad.
 Holzskelette am Lotharpfad
Foto © Andreas Riedmiller  Holzskelette am Lotharpfad
 Holzskelette am Lotharpfad
Foto © Andreas Riedmiller Wurzelskelett am Lotharpfad

Wanderung über Grindenlandschaft am Schliffkopf.


Grindenlandschaft am Schliffkopf.
Foto © Andreas Riedmiller Grindenlandschaft mit Weidenröschen am Schliffkopf.
Totholz ist Lebensraum für Höhlenbrüter
Foto © Andreas Riedmiller Totholz ist Lebensraum für Höhlenbrüter.
Heidekraut - Calluna vulgaris
Foto © Andreas Riedmiller Heidekraut – Calluna vulgaris
Adlerfarne - Pteridium aquilinum bilden am Wegrand große Horste.
Foto © Andreas Riedmiller Adlerfarne – Pteridium aquilinum bilden große Horste.
Schliffkopf - Kiefer
Schliffkopf – Kiefer
Kiefer am Schliffkopf
Foto © Andreas Riedmiller Kiefer am Schliffkopf

Beeren locken

Rund um den Schliffkopf wachsen viele Heidelbeersträucher. Die Büsche sind in diesem Monat voll mit prall gefüllten Beeren. Das gute Beerenjahr lockt emsige Pflückerinnen in den Schwarzwald. Es ist eine Verlockung, mit einem Körbchen in die Beeren zu gehen. Auf dem Rückweg treffen wir zufällig Rangerin Silke Seeger vom Nationalpark, sie kontrolliert das Auerhahnrevier um Wanderer und Sammler aufzuklären.

Derzeit sind Rauhfußhühner mit der Jungenaufzucht beschäftigt, sagt sie uns. Auerhühner bewegen sich bevorzugt im dichten Heidelbeergebüsch, weil hier Futter und gute Deckung für Nachwuchs ist. Bei Störung fliegt das Auerhuhn flach über die Büsche weg, um den Angreifer von den Jungtieren weg zu locken. Die Auerhahnküken stürmen bei Gefahr reflexartig sternförmig aus, um den Feind zu irritieren. Dieses Verhalten ist in ihren Genen festgelegt.

Für Rauhfußhühner sind Beerenpflücker Störenfriede. Manchmal sind die Pflücker den ganzen Tag im Gebüsch. Dann wird es für die Jungvögel kritisch, sie können verloren gehen oder verhungern. Auf Streifengängen durch das Gebiet klärt Silke die Wanderer auf und informiert sie. Sie zeigt Ihnen, wo andere Gebiete sind, um Heidelbeeren zu sammeln ohne dass die Wildvögel bei der Aufzucht gestört werden.

Im Schwarzwald gibt es Biotope, die dem Auerhahn gefallen. Aus diesem Grund konnten sich die Bestände wieder vermehren. Es braucht Wälder mit Lichtungen und Futter. Inzwischen gibt es wieder 600 dieser seltenen Rauhfußhühner.

Rangerin Silke Seeliger informiert Wanderer schaut nach dem Rechten im Nationalpark.
Foto © Andreas Riedmiller Rangerin Silke Seeger informiert Wanderer damit der Auerhahn und seine Küken ungestört bleiben.

Durchatmen und Natur spüren

      • Fachkundige Ranger begleiten Sie durch den Nationalpark. Kontakt: Nationalpark Schwarzwald Schwarzwaldhochstraße 277889 Seebach, Telefon: 07449 – 92998 444 info@nlp.bwl.de
      • Wandern Sie gern in geselliger Runde oder lieber mit einem Naturexperten? Damit Ihr Urlaub ein unvergessliches Erlebnis wird lassen Sie sich im Wanderzentrum in Baiersbronn beraten. Ortskundige Mitarbeiter geben Ihnen Informationen und Tipps. Kontakt: Karin Bosch, Tel.: 07442/841468 karin.bosch@baiersbronn.de
      • Im Schwarzwald wird nachhaltige Entwicklung gefördert. Viele Praxisprojekte zeigen wie es funktioniert. Es gibt Bioenergiedörfer, zertifizierte Naturparkwirte die Regionalprodukte servieren, Sonnenenergie, Biogas, Windkraft, Wasserkraft, Holzhackschnitzel und Geothermieanlagen werden genutzt…

Mit der Bahn in den Schwarzwald – mobil vor Ort mit Konus

Für Übernachtungsgäste gibt es die kostenlose Konuskarte für den Nahverkehr. Sie brauchen nicht unbedingt ein Auto im Schwarzwaldurlaub. Klingt super und ist es auch! Angegliedert sind bisher 143 Gemeiden mit über 11 000 Gastgebern. Ihre Mobilität vor Ort ist mit Bahn und Bus perfekt organisiert. Auf Wunsch gibt es E-Bikes zu mieten. Der Vorteil: Kein Fahrstress, keine Benzinkosten und keine Parkgebühren. Nebenbei schonen Sie die Umwelt.

Ankunft am Bahnhof Bärental mit Fahrtziel Natur
Foto © Andreas Riedmiller Ankunft im Schwarzwald – Bahnhof Bärental


An der Schwarzwald Hochstraße im Gebiet Schliffkopf.
Foto © Andreas Riedmiller Blick auf den Nationalpark und die Schwarzwald Hochstraße
Idyllische Nixe am Mummelsee - am Tag Rummelsee.
Foto © Andreas Riedmiller Nachts Idylle am Mummelsee, tagsüber „Rummelsee“.
Sesselbahn am Ruhestein
Foto © Andreas Riedmiller „Bitte nicht schaukeln“ am Ruhestein.

Dies könnte Dich interessieren:

> Kulturlandschaft der Esskastanie im Tessin

> Wandern im Schwarzwald

> Geheimnis der Bäume


Rauhfußkauz
Rauhfußkauz

Danke für die Kooperation und für die gute Organisation an Baden-Württemberg- und Schwarzwald Tourismus GmbH. Ohne Ihre Unterstützung hätte ich diesen Beitrag nicht produzieren können. Ebenfalls vielen Dank für die Informationen der Ranger und Ranger Arne Kolb für das Motiv vom Sperlingskauz. Dank auch für das gelungene Borkenkäferbild an WSL- Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Herrn Wermelinger.


  1. Ein herrlicher Bericht und wundervolle Fotos. Gefällt mir sehr. Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, würde ich spätestens jetzt nach Lesen und Betrachten deines Artikels dieses herrliche Stück Natur erleben wollen! Mir hat der Nationalpark super gut gefallen!

    Lg Michael

    • Danke Michael,

      ich habe mich ich gefreut einen anderen Blogger zu treffen. Natur, Natur ein lassen sollte in unserem dicht besiedeltem Land möglich sein. Der Schwarzwald hat mehr zu bieten als nur Fichtenwald. Inzwischen bin verliebt in diese Region, der Nationalpark ist wirklich faszinierend.

      LG Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.