Alpensteinbock im Allgäu
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Allgäu: Wildlifetour – Steinbock Exkursion mit Henning Werth

Vor Wintereinbruch möchte Biologe Henning Werth noch zu den Allgäuer Steinböcken wandern. Klar, dass mich seine spontane Einladung zu dieser Wildlife-Exkursion freut. Im Felslabyrinth zwischen dem Geißhorn und dem Angerkopf sind sie von unten kaum zu entdecken. Henning: „Wenn wir Glück haben, befinden sie sich im großen Geröllkessel unterhalb des Wildengundkopf. Versprechen kann ich aber nichts.“

Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpine mit Blick zur Trettachspitze - 2595m (l.) und Mädelegabel (r.) -
Foto © Andreas Riedmiller Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen mit Blick zum Großen Wilden (l.) – 2370m, Trettachspitze – 2595m (m.) und Mädelegabel (r.) – 2645m. r.).

Henning Werth sucht mit dem Feldstecher die Felswand ab
Foto © Andreas Riedmiller Mit dem Fernglas sucht Henning Werth die Felswand nach Steinböcken ab.
Natur erleben in den Allgäuer Alpen. Steinböcke im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen.
Foto © Hennig Werth Steinbock Junggesellen.
Lebensraum der Steinböcke am Wildengundkopf, nahe der Mindelheimer Hütte
Foto © Andreas Riedmiller In dieser Felswand leben und klettern die Steinböcke im Schwierigkeitsgrad III- IV.
Natur erleben im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Ein Steinbock macht sich auf Partnersuche.
Foto © Henning Werth Alpensteinbock (Capra ibex)
Natur erleben im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Ein Steinbock macht sich auf Partnersuche - schnuppert nach einer Geiß.
Foto © Henning Werth Steinbock schnuppert nach der Geiß.
Die Geiß kommt.
Foto © Henning Werth Die Geiß kommt.
Ein Nebenbuhler taucht auf.
Foto © Henning Werth Alpensteinbock (Capra ibex)
Steinböcke kämpfen. Noch spielerisch -im Dezember werden harte Brunftkämpfe abgehalten.
Foto © Henning Werth Kampf um die Gunst der Geiß.
Zuschauer beim Revierkampf der alten Steinböcke.
Foto © Henning Werth Zuschauer beim Revierkampf.
Natur erleben im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen
Foto © Henning Werth Das Kitz flüchtet.
Mit Henning Werth unterwegs zu den Allgäuer Steinböcken.
Foto © Andreas Riedmiller Mit Henning Werth unterwegs zu den Allgäuer Steinböcken.

Natur erleben im Allgäu

Vom Rappenalptal steigen wir mit schweren Rucksäcken steil zur Mindelheimer Hütte auf. Nach einer Verschnaufpause wandern wir in den Geröllkessel unterhalb des Wildengundkopfs. Von weitem sehe ich Henning, der mit seinem Fernglas die Felswände absucht.

Wir haben Glück. Auch ohne Feldstecher sehe ich jetzt zwei dunkelbraune Pünktchen im Fels. Zwei Steinböcke bewegen sich weit oben in der Wand im schweren Klettergelände nach unten. Sie tanzen gemütlich, ohne Eile im Zickzack von einer Felskannte zur anderen. Es ist für uns ein tolles Erlebnis, den Tieren beim Abstieg zuzusehen.

Wie aus dem Nichts erscheint ein dritter Steinbock auf der Bildfläche. Hintereinander ziehen sie majestätisch und gemütlich vor unseren Augen vorbei und ein Schauspiel ereignet sich. Ein Pfiff hallt aus der gegenüberliegenden Felswand, lose Steinbrocken poltern herab. „Schau, die Geiß kommt“, sagt Henning.

Zur richtigen Zeit am richtigen Platz

Der Biologe pirscht mit dem Teleobjektiv näher an die Gruppe. Der Fotograf, die Steinbock-Geiß und die männlichen Steinböcke kommen sich näher. Mit schwerem Gehörn beginnen die Steinböcke kleinere und größere Gefechte untereinander auszutragen. Sie bäumen sich auf und prallen mit den Schädeln krachend aufeinander. Ist es Imponiergehabe oder probieren sie spielerisch aus, wer der Stärkste im Revier ist? Ernst sind diese Kämpfe noch nicht. Mit dem Tele gelingen Henning gute Fotos. Die Böcke sind das ganze Jahr über getrennt von den Geißen. Nur im Dezember zur Brunftzeit treffen sie aufeinander. Dann finden heftige Ritualkämpfe um die Gunst der Weibchen statt. Das harte Zusammenkrachen des Gehörns hört man kilometerweit. Nach gegenseitigem „beschnuppern“ und kleineren Showkämpfen, ziehen sich die Tiere wieder in höhere Regionen zurück. Die Wanderung hat sich gelohnt.

Steinböcke wurden wegen ihrer Trophäe gejagt, was fast zum Aussterben dieser majestätischen Tiere führte.
Steinböcke wurden wegen ihrer Trophäe gejagt, was fast zum Aussterben dieser majestätischen Tiere führte.

Steinböcke wären beinahe ausgestorben

Seinem Gehörn wurden magische Eigenschaften zugesagt. Der geheimnisvolle Steinbock wurde nicht nur wegen seiner Trophäe verfolgt. Sogar sein Blut, seine Herzknorpel, die Haare, Magensteine und seine Exkremente verwendete man als Medizin. Apotheker zahlten hohe Preise dafür. Wilderer jagten den Steinbock illegal. Das führte fast zum Aussterben dieser mystifizierten Tierart. König Vittorio Emanuele III. ist zu verdanken, dass der Alpensteinbock heute noch lebt. Der italienische König sorgte dafür, dass die letzten fünfzig Exemplare im Nationalpark Grand Paradiso überleben konnten. Im Jahr 1856 machte der König das Gebiet um den Grand Paradiso zum königlichen Jagdrevier. Er ließ die letzten Steinböcke bewachen, denn seine Jagdgäste sollten immer genug Steinböcke vor die Flinte bekommen. Im Palast wurden die Gehörne dann zur Schau gestellt.

Um 1960 wurden im Allgäu und im benachbarten Kleinwalsertal Schweizer Steinböcke, die aus dem Grand Paradiso stammen, angesiedelt. Der Alpensteinbock wird zehn bis zwölf Jahre alt, die Geiß bringt nicht mehr als ein Junges pro Jahr zur Welt.

Extrem hartes Leben im Winter

Wie Steinböcke den extremen Winter in den Allgäuer Bergen überleben, zeigt Kameramann Gerhard Bauer in einem sehenswerten Film. Steinböcke steigen auch im strengsten Winter nicht ins Tal. Im Gegenteil, sie erklimmen die höchsten Felsregionen. Vermutlich sagt ihnen ihr Instinkt, dass die Lawinengefahr oben geringer ist. Hier sind noch Gräser und Kräuter zu finden, mit ihren Hufen scharren sie Polster der immergrünen Silberwurz aus dem Schnee. Bei eisigem Sturm und Schneetreiben bilden sich in ihrem Fell dichte Schnee-und Eisballen. Im Windschatten der Felswände harren sie aus, bis es Frühling wird. Nach fünf bis sechs Monaten Tragezeit bringen sie im Mai ihre Jungen zur Welt.

Wildlife Exkursion mit Henning Werth
Foto © Andreas Riedmiller Wildlife Exkursion mit Henning Werth
Herrliche Ausblicke auf die Allgäuer Hochalpen.
Foto © Andreas Riedmiller Herrliche Ausblicke auf die Allgäuer Hochalpen. mit Blick zum Biberkopf (r.).
Natur erleben in den Allgäuer Alpen. Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen- Biberkopf
Foto © Andreas Riedmiller Der Biberkopf 2599m, ist der südlichste Punkt Deutschlands.

Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen

Natur erleben in den Allgäuer Alpen. Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen
Foto © Andreas Riedmiller Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen mit Blick in den Rappenseekessel. Berge vlnr. Bockkarkopf, Linkerskopf, Rotgundspitze, Hohes Licht und Hochrappenkopf.
Mindelheimer Hütte 2013m
Foto © Andreas Riedmiller Mindelheimer Hütte 2013m
Natur erleben Allgäuer Alpen. Allgäuer Hochalpen
Foto © Andreas Riedmiller Natur erleben in den Allgäuer Alpen, Berge vlnr. Kleiner Wilder, Großer Wilder (l.), Trettachspitze (m.), Mädelegabel und Hochfrottspitze (r.). Im Bildvordergrund die Enzianhütte, sie liegt am Weg zur Rappenseehütte.
Natur erleben mit Biologe und Gebietsbetreuer der Allgäuer Hochalpen Henning Werth
Foto © Andreas Riedmiller Biologe und Gebietsbetreuer des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen Henning Werth.
Natur erleben im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen.
Foto © Andreas Riedmiller Natur erleben im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Berge vlnr. Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze und Bockkarkopf.
Wildlife Exkursion mit Henning Werth - Blick zur Braunarlspitze in Vorarlberg.
Foto © Andreas Riedmiller Blick zur Braunarlspitze in Vorarlberg.
Natur erleben in den Allgäuer Alpen. Wildlife Exkursion mit Henning Wert h
Foto © Andreas Riedmiller Die letzten Sonnenstrahlen. Natur erleben in den Allgäuer Alpen. Wildlife Exkursion mit Henning Werth. Berge vlnr. Hohes Licht und Hochrappenkopf.
Mit Henning Werth unterwegs.
Foto © Andreas Riedmiller Mit Henning Werth unterwegs.

Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen

Die Alpen, besonders die Allgäuer Hochalpen, sind Rückzugsgebiet für viele Arten. Mit mehr als 200 Quadratkilometern sind die Allgäuer Alpen eines der größten Naturschutzgebiete in Deutschland. Wo Alpwirtschaft extensiv ist und keine Gülle auf die Weide kommt, gibt es die schönsten Blumenwiesen Deutschlands. An unzugänglichen Flanken der Allgäuer Grasberge und auf extensiv bewirtschafteten Weiden entdeckten Biologen über 1000 Pflanzenarten. Darunter sind 120 Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind. Arten, die im Alpenvorland ausgestorben waren, konnten hier oben überleben. Kolkrabe und Steinadler suchen sich von hier aus neue Reviere und breiten sich wieder im Alpenvorland aus.

Das Wetter schenkt uns einen ganz besonderen Tag. Zum Glück waren die Steinböcke nicht ganz soweit oben, wir konnten sie gut beobachten. Außer Steinböcken sind uns noch andere Alpenbewohner begegnet. Am Himmel sahen wir plötzlich ein Adlerpaar schweben. Schneesperlinge flatterten vorüber und Bergdohlen kamen näher um Futter zu betteln. Gämsen äsen auf einem Felsvorsprung und in der Abenddämmerung kam Rotwild aus der Deckung des Bergwaldes heraus. Nur der Bartgeier, den Henning hier manchmal sieht, zeigt sich nicht.

Natur erleben in den Allgäuer Alpen
Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen mit Höfats (l.), Hochvogel (m,) und Kreuzeck, Rauheck (r.).
Natur erleben in den Allgäuer Alpen. Auf dem Weg zum Kempter Scharte.
Foto © Andreas Riedmiller Auf dem Weg zum Kempter Scharte.
Mit Henning Werth unterwegs zu den Allgäuer Steinböcken.
Foto © Andreas Riedmiller Hennig Werth an der Kemptner Scharte.
Natur erleben - Wildlife Exkursion mit Henning Werth.
Foto © Andreas Riedmiller Natur erleben – Wildlife Exkursion mit Henning Werth.
Blick ins Wildental auf die Kleinwalsertaler Seite.
Foto © Andreas Riedmiller Blick ins Wildental auf die Kleinwalsertaler Seite.
Herbstgräser
Foto © Andreas Riedmiller Im Winter sind trockene Gräser die Nahrungsquelle für Steinböcke.
Mit Henning Werth unterwegs zu den Steinböckenn
Foto © Andreas Riedmiller Steinbock Exkursion mit Henning Werth
Natur erleben in den Allgäuer Alpen.
Foto © Henning Werth Mysteriös. Plötzlich waren sie wieder da. Wir waren fast im Tal. Jetzt werden wir von den Tieren beobachtet. Unauffällig begleiteten sie uns bis in die Nacht.

Mit der Bahn zur Wildlife Exkursion ins Allgäu fahren:

Mit der Bahn reisen Sie nach Kempten, Immenstadt, Sonthofen und weiter nach Oberstdorf. Es gibt IC-Direktverbindungen ins Oberallgäu. Von den Städten Augsburg, Ulm und München erreichen Sie das Allgäu über Kempten mit Nahverkehrszügen.

Mit der Bahn und 100 Prozent Ökostrom in die Urlaubsregion Allgäu. Sie kommen relaxt am Zielort an und nebenbei schonen Sie die Umwelt. Vor Ort lohnt sich die kostengünstige Allgäu-Walser-Card zu besorgen. Damit haben Sie im südlichen Oberallgäu viele Vergünstigungen.

  • Direkt zum Bahnhof Oberstdorf und zur Wildlife Exkursion mit Henning Werth. Vom Rappenalptal geht es zur Mindelheimer Hütte. Im Felslabyrinth dahinter sind die Steinböcke Zuhause. Die Steinböcke leben im Hochgebirge. Gutes Schuhwerk und Bergerfahrung ist für diese Tour nötig. Die Anreise erfolgt mit dem Fernzug zum Bahnhof Oberstdorf. Von hier aus fährt man am besten mit dem E-Bike die lange Forststraße hinauf bis in das hintere Rappenalptal. Dort beginnt der Aufstieg.
  • Nach Bad-Hindelang und in das Reich der Steinadler. Kinder sind bei einer Wanderung ins Reich der Steinadler begeistert. Von der Adlerhütte im Hintersteiner Tal kann man mit dem Fernglas direkt in die Kinderstube des Steinadlers blicken. Fernglas und Fotoapparat nicht vergessen! Die Bahnanreise erfolgt nach Sonthofen. Dann umsteigen in den Bus nach Bad Hindelang. Am Bad-Hindelanger Busbahnhof weiter mit dem Bus nach Hinterstein. Am Parkplatz „Auf der Höh“ startet kurz nach 10 Uhr der Bus zum Giebelhaus. Wer die Gästekarte „Bad-Hindelang-PLUS“ besitzt, fährt mit dem privaten Tälerbus ins Naturschutzgebiet und im gesamten Gemeindegebiet kostenlos. Mit der Gästekarte „Bad Hindelang PLUS“ profitieren Übernachtungsgäste von 20 Gratis-Leistungen. Über 240 Unterkünfte bieten im Gemeindegebiet diesen Service an. Mit der Gästekarte Bad Hindelang PLUS zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus gewann die Region den Fahrtziel Natur-Award 2010.
  • Nach Immenstadt in das Naturerlebniszentrum Allgäu. Nicht nur bei Regenwetter ist das Naturerlebniszentrum in Bühl am Alpsee einen Besuch wert. Hier sind interessante Ausstellungsräume die Einblick in das Naturschutzgebiet der Allgäuer Nagelfluhkette bieten. Es gibt auch ein umfangreiches Ferienprogramme für Kinder und Familien. Alle Infos auf der Webseite. Bahnanreise zum Immenstädter Bahnhof. Weiter mit dem Bus in Richtung Oberstaufen. Bei Haltestelle B 309 oder Bühl am Gästeamt aussteigen.

 Steinadler beobachten im Hintersteiner Tal

Ein Steinadler kreist am Himmel.
Foto © Henning Werth Steinadler – Weibchen mit über zwei Meter Flügelspannweite.
Steinadlerbeobachtung im Bärgündletal mit Henning Werth.
Foto © Andreas Riedmiller Steinadlerbeobachtung im Hintersteines Tal mit Henning Werth.
Steinadler und Gämsen beobachten im Bärgündletal.
Foto © Andreas Riedmiller Steinadler und Gämsen beobachten im Hintersteines Tal.
Kinder und Erwachsene beobachten wildlebende Tiere im Bärgündeltal.
Foto © Andreas Riedmiller Kinder und Erwachsene beobachten wildlebende Tiere.
Naturbeobachtungen im Bärgündeltal mit Henning Werth.
Foto © Andreas Riedmiller Naturbeobachtungen im Bärgündeltal mit Henning Werth.
Kinder und Erwachsene beobachten wildlebende Tiere im Bärgündeltal.
Foto © Andreas Riedmiller Kinder und Erwachsene beobachten wildlebende Tiere im Bärgündeltal.
Biologe und Gebietsbetreuer Henning Werth im Bärgündeltal.
Foto © Andreas Riedmiller Biologe und Gebietsbetreuer Henning Werth.
Schon die Kleinsten sind begeistert, wenn Sie Murmeltiere oder Gämsen beobachten können.
Foto © Andreas Riedmiller Schon die Kleinsten sind begeistert, wenn Sie Adler, Murmeltiere oder Gämsen beobachten können.
Steinadler
Foto © Henning Werth Steinadler

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Mein herzlicher Dank gilt Henning Werth für die Einladung zu dieser Tour, für die gelungenen Adler- und Steinbockfotos, sowie für die interessanten Informationen. Henning ist Biologe und Gebietsbetreuer des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern.

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