Kempten: Winterspaziergang durch die Stadt

Um 15 v.Chr. drangen die Römer über die Alpen nach Norden. Nördlich der Alpen wohnten Keltenstämme, und an der Illerschleife gab es eine Keltensiedlung, geografisch und militärisch ideal gelegen, die die Römer zu einer Stadt ausbauten. Der griechische Historiograph Strabo berichtet im Jahre 18 n.Chr. , nördlich der Alpen gebe es zwei Städte, genauer gesagt Brigantium und Cambodounon / Cambodunum. Er meinte das heutige Bregenz und das heutige Kempten. Kempten ist die erste urkundlich erwähnte Stadt Deutschlands.

Kempten ist in vielerlei Hinsicht eine historisch interessante Stadt! Darüber in einem anderen Blogartikel mehr! Die „Metropole des Allgäus“ zieht zahlreiche Gäste an. Industrie und Handel blühen, seit einiger Zeit kann sich Kempten Hochschulstadt nennen, der Tourismus im Allgäu boomt…

Heute nicht! Heute ist Sonntagmorgen. Dächer und Straßen sind verschneit. Wenige Autos sind unterwegs. Verschneite Fahrräder lehnen an Hauswänden. Selbst die sonst überall anzutreffenden Tauben und Saatkrähen haben sich verzogen. Nur ein paar Fußgänger mit hochgeschlagenem Mantelkragen marschieren Richtung St. Lorenzkirche. Ihre Spuren habe das gleiche Ziel: Die große Aufgangstreppe zur Basilika St. Lorenz.

Basilika St. Lorenz – Fürstäbtliche Residenz – Museen

Die spätbarocke Basilika zieht auch mich an. Umliegende Dächer und Giebel sind verschneit, Wege, Straßen und Plätze in Weiß. Strukturen der Gebäude und Wege kommen wirkungsvoll zur Geltung. Verschneite Geländer und Mauern unterstreichen die Perspektive zusätzlich. Die Reduzierung der Farbe hebt das Wesentliche hervor. Ich mag die Farben Weiß und Grau. Ein idealer Tag zum Fotografieren.

Ich schlendere über den Hildegard-Platz und werfe einen Blick zum historischen Kornhaus. Das ehemalige Kornlager der Stadt beherbergt das Allgäu-Museum. Das Zumstein-Haus mit seiner klassizistischen Fassade beinhaltet das Römische Museum und ein Naturkundemuseum. Vor mir liegt das lange Gebäude der Fürstäbtlichen Residenz. Im Innern sind die sehenswerten Prunkräume des ehemaligen Benediktinerklosters. Ich biege ab und gehe durch das schmiedeeiserne Zumstein-Tor in Richtung Stadtpark und St. Mang-Platz.

Entdecke die Erasmuskapelle

 

In der Erasmuskapelle die Stadtgeschichte erleben

Auf dem St. Mang-Platz fällt mein Blick auf ein eigenwilliges Bauwerk. Nur mit einer steilen Treppe darin, die in den Untergrund führt. Oft bin ich daran vorbeigegangen. Heute entdecke ich die Erasmuskapelle als etwas Besonderes. Wer die 23 Treppenstufen hinuntergeht, macht eine Zeitreise in die 2000 jährige Vergangenheit der Stadt. Der heilige Erasmus ist Schutzpatron gegen Bauchweh und gegen Feuersbrünste. Ihm ist diese Kapelle geweiht.

Zeitreise in die Vergangenheit

Stille empfängt mich. Spärliche Beleuchtung und mystisches Licht geben dem Raum eine besondere Atmosphäre. Frau Kopp, die Stadtführerin, flüstert mir zu: »Sehen Sie sich um, ich komme gleich wieder«. Rundum ist altes Gemäuer mit geheimnisvollen Schriftzeichen und einem farbenfrohen Mädchenfresko. Öffnungen in der dicken Wand geben den Blick auf Totenschädel und Gebeine frei. Hier sind einige Seelen bestattet, damit wir besser verstehen können. Die anderen 400 gefundenen Skelette brachte man auf den nahegelegenen Burghalde-Friedhof. Bin ich in einem mittelalterlichen Friedhof gelandet?

Frau Kopp begleitet eine Gruppe. Mit dem Zeigefinger berührt sie den Touchscreen ihres I-Pads und startet die Show. Der Beamer katapultiert uns Zuschauer postwendend 2000 Jahre zurück zu den Anfängen der Stadt Kempten, als die Römer kamen.

Multimediale Kunst

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Von hier aus wird die bewegte Stadtgeschichte aufgefächert. Eine angenehme Stimme im Hintergrund leitet uns durch die Jahrhunderte. Die Römer, das Mittelalter, die Reichsstadt, die Reformationszeit, Säkularisation, Profanisierung, Fürstäbte, Kurfürsten und Napoleon lösen sich nacheinander ab. Mit Hilfe der Multimediashow und unserer Phantasie eilen wir durch die Jahrhunderte. Bilder, Daten und Jahreszahlen werden auf das rohe Gemäuer der Erasmuskapelle projektiert. Töne Bilder erreichen ohne Umweg unser Herz. Wir verstehen, was sich hier ereignet hat.

Dieses Gebäude wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgenutzt. Zuerst war es das Beinhaus der Kapelle St. Erasmus. Nach der Reformationszeit haben Bürgermeister und Räte der Stadt das Kellergewölbe als Weinkeller und Trinkhalle in Beschlag genommen. Oben war das Leinwand- und Schmalzwaaghaus. Den Dreißigjährigen Krieg hat die Kapelle unbeschadet überstanden. Im zweiten Weltkrieg haben Soldaten Schützengräben durch die Kapelle gezogen. Danach wurde ein oberirdischer Bunker platt gemacht. Den Bauschutt kippte man einfach in das Untergeschoss. Hinterher geriet die Erasmuskapelle in Vergessenheit.

Alte Mauern erzählen Geschichte

Als der St. Mang Platz im Jahre 2003 modernisiert wurde, fand man alte Mauerreste. Archäologen machten sich an die Ausgrabung und konnten Einmaliges von der Erasmuskapelle entdecken. 2010 wurde der Schauraum eröffnet, und die Ergebnisse der Ausgrabung können nun im geschichtlichen Zusammenhang präsentiert werden.

Frau Kopp: »Die Erasmuskapelle ist für mich was ganz Besonderes. Ich bin ihr mit Leib und Seele verbunden. Dass ich mit 74 Jahren noch so ein modernes Museum vorführen darf, freut mich ganz besonders. Wer die Stadt Kempten besucht, sollte nicht versäumen einen Abstecher in die Erasmuskapelle zu machen.«

Meine Tipps für einen Museumstag in Kempten:

  • Sonderausstellung im Alpin-Museum: Geschichten von Göttern und Helden
    Die Staatliche Antikensammlung, die Münchener Glyptothek sowie das Alpin-Museum präsentieren gemeinsam wertvolle Schaustücke der Antike. Die Exponate werden durch ausgewählte Funde der alten Römerstadt „Cambodunum“ ergänzt. Begleitet wird die einmalige Ausstellung durch ein reichhaltiges Rahmenprogramm. Für Kinder gibt es Aktionen zum Mitmachen und für Erwachsene Fachvorträge. Dauer der Ausstellung von 5. März bis 13. November 2016. Die Öffnungszeit ist Dienstag bis Sonntag 10 – 16 Uhr. Kontakt: Tel. Kulturamt Kempten / Museen Tel.: 0831 – 25 25 200
  • Allgäu-Museum
    Auf sechs Etagen führt das Museum durch viele Epochen. Vom blauen Allgäu des Flachsanbaus bis zur vergangenen Welt von Bauern, Bürgern und Fürstäbten.
  • Alpin-Museum
    Die Ausstellung im Alpin-Museum entführt in die Erlebniswelt der Alpen. Von der ersten Besiedelung bis hin zum Extrembergsteigen, zu Tourismus, Ski- und Wintersport. Geologie, Flora und Fauna. Besonders interessant fand ich das große Reliefmodel welches den gesamten Alpenraum zeigt.
  • APC – Archäologischer Park
    Mehr als 100 Jahre Ausgrabungsgeschichte der Römer in Kempten werden seit 1983 in der einstigen antiken Siedlung gezeigt.
  • Residenzmuseum
    Schreiten Sie durch die prunkvollen Rokoko Privatgemächer des Fürstabtes. Das 750 gegründete Benediktinerstift Kempten wurde als erste, große barocke Klosteranlage Deutschlands wieder aufgebaut.
  • Allgäuer Burgenmuseum
    Das Allgäuer Burgenmuseum bietet einen Überblick zu Allgäuer Burgen und gibt Einblick in die Burgenforschung der Region.
  • Erasmuskapelle
    In der Erasmuskapelle wird multimedial die Stadtgeschichte Kempten erlebbar gemacht. Dieses Museum ist besonders empfehlenswert für alle die Kempten kennenlernen möchten.

Kontakt Erasmuskapelle: 

St. Mang-Platz,
87439 Kempten (Allgäu)
Tel. Erasmuskapelle: (0831) 960-2202
Tel. Verwaltung: (0831) 2525-369

Öffnungszeiten: Täglich außer Mittwoch von 11- 17 Uhr.

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