Walsertal: Biosphärenpark Großes Walsertal

Warum brauchen wir Biosphärenreservate? – „Weil natürliche Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten in unserer Landschaft verschwinden. Deshalb.“

Es gibt ein Netz von über 500 Schutzgebieten, ein weltumspannendes Netz von Biosphärenreservaten. Das UNESCO Programm „Men and Biosphere“ möchte erreichen, dass schützenswerte Lebensräume und traditionelles Wirtschaften für zukünftige Generationen erhalten bleiben.

Biosphärenpark Großes Walsertal

Der UNESCO Biosphärenpark im Großen Walsertal hat den gleichen Schutzstatus wie die Serengeti, die Rocky Mountains oder die Galapagos Inseln. Der Biosphärenpark ist für die Natur Schutzraum und Rückzugsgebiet zugleich, für Einheimische ist er Lebens – und Wirtschaftsraum. In ursprünglicher Landschaft regenerieren und erholen sich Gäste. Kinder und Jugendliche erfahren Glücksmomente und fördern ihre Persönlichkeit. Das Biosphärengebiet wird in verschiedene Zonen eingeteilt. Je nach Erfordernis wird der Natur mehr Vorrang eingeräumt, der Landwirtschaft oder touristischen Belangen. Der Biosphärenpark dient der Umweltbildung, der Regionalentwicklung und Forschung. Der Mensch wird einbezogen in die Dynamik der Natur zu gegenseitigem Nutzen.

Eigenständige Einwanderer

Die Walser sind im 13. und 14. Jhdt. aus dem Schweizer Oberwallis in das damals unbesiedelte Gebiet des Großen Walsertals eingewandert. Sie rodeten Wälder und bauten ihre Häuser weit verstreut über die umliegenden steilen Hänge. Im Auftrag des Grafen von Montfort kontrollierten sie Pässe und Grenzen in Nachbarregionen. Dafür brauchten sie wenig Steuern zu bezahlen. Lange Zeit lebten sie abgeschieden im Tal. Ihr besonderes Brauchtum, ihre eigenständige Kultur und ihr Dialekt blieben bis heute erhalten. Sie brachten Heuwirtschaft mit, die bis heute ein Grundpfeiler des Großen Walsertals ist.


Biosphärenpark Grosses Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Der Biosphärenpark Großes Walsertal
Im Biosphärenpark Grosses Walserta
Foto © Andreas Riedmiller Im Biosphärenpark Großes Walsertal
Bergwiese im Biosphärenpark Grosses Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Bergwiese im Biosphärenpark
Biosphärenpark Grosses Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Bauernhof im Biosphärenpark Grosses Walsertal
Grosses Walsertal, Blick in das Gadental
Foto © Andreas Riedmiller Blick in das Gadental
Gadenalpe im Grossen Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Gadenalpe im Großen Walsertal
Gadenalpe, Grosses Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Gadenalpe, Grosses Walsertal
Grosses Walsertal - Brettljause auf der Gadenalpe mit Hirschwurst.
Foto © Andreas Riedmiller Brettljause mit Hirschwurst.
Gadenalpe, Grosses Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Gadenalpe
Gadenalpe, Grosses Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Gadenalpe,

Wasserfälle bei der Gadenalpe, Grosses Walsertal
Foto © Andreas Riedmiller Namenlose Wasserfälle
Hirten der Gadenalpe
Foto © Andreas Riedmiller Hirten der Gadenalpe
Gadenalpe, Magdalena schneidet Büsche ab
Foto © Andreas Riedmiller Gadenalpe, Magdalena schneidet Büsche ab
Grosses Walsertal - auf dem Wanderweg in das Gadental
Foto © Andreas Riedmiller Farne am Wanderweg in das Gadental
Grosses Walsertal, Berggasthaus Bad Rothenbrunnen
Foto © Andreas Riedmiller Berggasthaus Bad Rothenbrunnen
Grosses Walsertal, Berggasthaus Bad Rothenbrunnen
Foto © Andreas Riedmiller Großes Walsertal, Berggasthaus Bad Rothenbrunnen


Alpen und Käse

Der Biosphärenpark Großes Walsertal besteht seit dem Jahre 2000 und umfasst das Tal mit allen sechs Gemeinden. Etwa 180 Bauern bewirtschaften die Landschaft, fast die Hälfte der Bergbauern arbeitet biologisch. Aus langer Tradition wird Vieh über mehrere Stufen, der Vegetation nach in Höhere Regionen gebracht. Erst wird das Vieh zum Maiensäß getrieben, später zum Vorsäß und weiter in die Regionen der Alpen und Hochalpen. Im September geht es in einem Rutsch zurück ins Tal. In den umliegenden Bergen des Walsertals gibt es 42 bewirtschaftete Alpen, davon 22 Sennalpen. Der dort produzierte Bergkäse wird im Herbst ins Tal gebracht, von Großmolkereien acht bis zwölf Monate weiter gepflegt und zu Markenprodukten veredelt.

Bunte Wiesen

„Auf Bergwiesen findet man 100 bis 170 Pflanzenarten pro Quadratmeter. Je höher man hinauf kommt und je seltener gemäht wird, umso artenreicher sind die Wiesen“, erzählt Mag. Christine Klenovec, die Managerin des Biosphärenparks. „Es blühen im Frühsommer: Duftender Bergthymian, seltene Orchideen, der braune Wiesenknopf, blauer Waldstorchschnabel, fette Trollblumen, gelbe Arnika, filigrane Wildkräuter, das nach Moschus duftende Kohlröschen, Lichtnelke, orangeblühender Goldpippau u.v.a.“. Bergwiesen mit ihrer reichen Flora und Fauna sind charakteristisch für das Große Walsertal. Die Bergwiesen werden erst am Mitte Juli gemäht, damit die Pflanzen Samen bilden können. Im Biosphärenpark ist extensive Landwirtschaft erwünscht, so kann Kulturlandschaft und Artenvielfalt auf Dauer erhalten bleiben.

Fliegende Edelsteine

Der Schmetterlingskundler Dr. Huemer vom Tiroler Landesmuseum, hat in Vorarlberg 2307 Schmetterlingsarten gefunden und dokumentiert. Darunter fliegende Juwelen, die lange als verschollen galten, wie der attraktive Labkrautschwärmer, der Schwarze Apollofalter oder den Skabiosen-Scheckenfalter. Diese Arten sind durch EU-Gesetze streng geschützt, sie sind noch in abgelegenen Ecken des Großen Walsertals zu finden.

Wandern ins Gadental

Von Buchboden aus wandere ich über Bad Rothenbrunnen ins hintere Gadental, das ist eine Kernzone des Biosphärenparks. Eine nahegelegene eisenhaltige Quelle gab dem 1834 erbauten Gebäude seinen Namen. Ein Hirte hatte eine Marienerscheinung. Er setzte seinen verletzten Fuß in die Quelle und badete ihn, daraufhin wurde er gesund. Schon 1460 nutze der Feldkircher Arzt Dr. Ulrich Ellenbogen das Heilwasser. Dies begründet die lange Geschichte von Bad Rothenbrunnen.

Da ich gut zu Fuß bin, interessiert mich die Heilquelle im Moment weniger. Der gut ausgebaute Weg führt über Kehren in den dichten Bergwald. Am Wegrand blühen Frauenschuhorchideen und Türkenbundlilien. Eine Waldgemse flüchtet vor mir den Berg hinauf. Sie schaut herunter, denn sie weiß genau, dass ich ihr im Steilgelände ohnehin nicht folgen kann. Farne hängen ihre Blätter über den Weg und der naturnahe, dichte Buchen-Tannenwald spendet kühlen Schatten.

Im „Kuhhimmel“

Nach einer Stunde komme ich auf die Alpfläche der Gadenalpe. „Kuhhimmel“ wurde früher die Region um die ehemalige Sennalpe genannt. Die drei Holzhäuser ducken sich mit silbergrauen Schindeldächern unter die gleichfarbigen Felswände, die das Tal abschließen. Im hintersten Ende sehe ich aus der Ferne drei glänzende Wasserfälle über die Felswand herabstürzen. Familie Fink sitzt gerade vor dem Haus. Helmut, ein passionierter Jäger sucht mit dem Feldstecher konzentriert die Umgebung ab. Magdalena, die Hirtin, bringt mir ein frisches Holunderschorle, dazu bekomme ich ein Jausenbrett mit Hirschwurst und zwei Schwarzbrotscheiben. Wir kommen ins Gespräch miteinander. Auf der Alpe Gaden ist Jungvieh, ein Pferd, Ziegen und einige Hühner. Magdalena trägt dieses Jahr zum ersten Mal die ganze Verantwortung für die Alpe. Man muss bei den Wasserfällen neue Zäune ziehen, damit den jungen Rindern nichts passiert. Helmut ist begeistert von soviel Natur. Die Wasserfälle wären im Tal eine Touristenattraktion. Hier oben haben sie nicht mal einen Namen sagt er. Später im Jahr, wenn das Gras abgefressen ist, steigen wir mit Sack und Pack zur Matona hinauf. Noch weiter oben ist die Alpe Diesnerberg, bevor blankes Karstgestein eine Beweidung unmöglich macht. Die Berge im hinteren Talabschluss heißen Misthaufen (2436m) und Schwarze Wand (2524m). Der heutige, schwülwarme Tag bläht die Wolken am Himmel bedrohlich auf. Ein Gewitter kündigt sich an und ich schaue, dass ich schnell wieder zurück nach Buchboden ins Quartier komme.


Grosses Walsertal - Die kleine Gondelbahn führt zum Seilbahnstüble Sonntag-Stein und zum Ausgangspunkt des Klangweges.
Foto © Andreas Riedmiller Großes Walsertal – Die kleine Gondelbahn führt zum Seilbahnstüble Sonntag-Stein und zum Ausgangspunkt des Klangweges.
Biosphärenpark Grosses Walsertal - Klangweg.
Foto © Andreas Riedmiller Unterwegs auf dem Klangweg.
Gräser vom Morgentau neigen sich.
Foto © Andreas Riedmiller Gräser vom Morgentau neigen sich.
Im Biosphärenpark Grosses Walsertal - Artenvielfalt auf feuchten Bergwiesen. Hier die Trollblume - Trollius europaeus.
Foto © Andreas Riedmiller Trollblume – Trollius europaeus.
Spinnennetz im Morgentau
Foto © Andreas Riedmiller Spinnennetz im Morgentau
Artenvielfallt im Biospärenpark Grosses Walsertal. Wald-Storchschnabel - Geranium sylvaticum.
Foto © Andreas Reidmiller Wald-Storchschnabel – Geranium sylvaticum.
Im Biosphärenpark Grosses Walsertal - Klangweg.
Foto © Andreas Riedmiller Klangweg.
Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg Stein.
Foto © Andreas Riedmiller Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg
Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg Stein.
Foto © Andreas Riedmiller Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg Stein
Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg Stein.
Foto © Andreas Riedmiller Klangweg Stein.

Biosphärenpark Grosses Walsertal - Klangfall.
Foto © Andreas Riedmiller Klangfall.


im Biosphärenpark Grosses Walsertal. Verhüllte Schneekanonen am Rand der Skipiste.
Foto © Andreas Riedmiller  Schneekanonen am Rand der Skipiste.
Biosphärenpark Grosses Walsertal - Klangweg.
Foto © Andreas Riedmiller Plumpsklo am Klangweg.
Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg Stein.
Foto © Andreas Riedmiller Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg Stein.
Biosphärenpark Grosses Walsertal - Klangweg.
Foto © Andreas Riedmiller Biosphärenpark Großes Walsertal – Klangweg.
Die Natur sinnlich erfahren am Klangweg Stein.
Foto © Andreas Riedmiller Klangweg Stein.

Klangraum Sonntag-Stein

Der Rundweg dauert von der Seilbahnstation Sonntag-Stein ca. eine Stunde. Infotafeln am Wegrand informieren und begleiten den interessierten Wanderer über Flora, Fauna und Natur der umliegenden Wiesen und Landschaft. Am Rundweg befinden sich Möbelinstallationen, Sterotype Stühle, Kaminsessel aus Holz, Schaukelstuhl und Chaise-Longues, eine Grillstation, Spielplatz und ein Plumpsklo. Diese Installationen und Einrichtungen sollen symbolisch an eine Wohnstube erinnern und der Außenraum der Natur bildet die Kulisse, die von Sitzgelegenheiten aus betrachtet werden kann. Intention der Macher: „Der Außenraum wird zum Innenraum, die Landschaft, der Blick, die Idylle ersetzt Bilder an der Wand, das Fernsehen oder die Tapete“. Schalltrichter und ein Klangfall aus rostigen Blechbögen verstärken Naturgeräusche. Sie animieren den Besucher, Klang- und Geräuschwelt der Natur wahrzunehmen und zu studieren. Vielleicht will man beim Besucher das Bewusstsein erzeugen, dass bisher unbekannte Naturgeräusche ein beruhigender Gegenpol zur Lärmhölle einer Großstadt sein können. Wir wanderten an einem nebligen Tag durch den Klangraum, unser Blick richtete sich auf Pflanzen und Steine in nächster Nähe. Beim Versuch den „Klangtrichter“ aus Metall zu testen hörte ich außer Stille – nichts. Ich bin Purist und kein Freund möblierter und inszenierter Natur.

Hör mal ob dein Herz noch schlägt

Der Wind, das Wasser, die Bäume und Tiere machen ununterbrochen Geräusche. Die Natur ist schön wie sie ist. Geräuscherlebnisse findet jeder in der Natur. Manche Geräusche sind unüberhörbar, andere muss man suchen. Sie sind nur zu bestimmten Tageszeiten zu hören, wenn man mucksmäuschenstill bleibt. Schöne Erlebnisse hatte ich frühmorgens, nachdem die Sonne aufging, wenn alle Vögel auf einmal sangen und zwitscherten. Unvergesslich für mich ist manches Berggewitter mit Donnergrollen und Echo an den Felswänden. Die Hirschbrunft in einer eiskalten Herbstnacht oder die Stille beim Wandern im Nebel. Wenn trockene Buchenblätter beim Gehen wie Pergamentpapier rascheln oder ein tosender Wasserfall jedes gesprochene Wort übertönt. Das Summen der Bienen unter einem blühenden Lindenbaum, das Zirpen der Grillen in einer Sommerwiese oder rhythmischer Klang von Glocken weidender Kühe. In Höhlen kann es so still sein, dass du dein Herz klopfen hörst. Viele Geräusche speichert das Unterbewusstsein und ich bekomme später im Gedächtnis wieder Zugang zu diesen positiven Erlebnissen. Wann hast du zuletzt dem melodischen Gesang einer Amsel gelauscht?


Therese Zechner vom Seilbahnstüble Sonntag-Stein ist Autorin des Kinderbuchs
Foto © Andreas Riedmiller Therese Zechner vom Seilbahnstüble Sonntag-Stein ist Autorin des Kinderbuchs „Hört, was mir der Baum erzählt hat“.

Phantasievolle Bilder malten Schüler der Volksschule Blons und Nüziders, für ein Büchlein des Biospärenparks.
Foto © Motiv der Schüler der Volksschule Nüziders und Blons Phantasievolle Bilder malten Schüler der Volksschule Blons und Nüziders, für ein Büchlein des Biospärenparks.
Phantasievolle Bilder malten Schüler der Volksschule Blons und Nüziders, für ein Büchlein des Biospärenparks.
Foto © Schülerin der Volksschule Blons Phantasievolle Bilder malten Schüler der Volksschule Blons und Nüziders, für ein Büchlein des Biospärenparks.
Biosphärenpark Grosses Walsertal - Klangweg.
Foto © Andreas Riedmiller Klangweg.
Berner Rösti im Seilbhahnstüble Sonntag-Stein. Im Sommer gibt es für Gäste gemütliche
Foto © Andreas Riedmiller Berner Rösti im Seilbhahnstüble Sonntag-Stein. Im Sommer gibt es für Gäste gemütliche „Röstiabende“.

Zeit für sich finden

Ein Urlaub kann vieles bedeuten, auch eine Rückbesinnung auf mehr Lebensqualität, die jeder in den Alltag mitnehmen und umsetzen kann. Die touristischen Programme im Großen Walsertal heißen: „Wohlraum, Bsundrige Zit und Wohlzeit“. Dem Gast werden Impulse gegeben um die Möglichkeiten dieser Region zu erkunden. Ein Ferienprogramm fordert Gäste auf das Telefon abzuschalten. Es gibt Angebote die helfen aus einem normalen Urlaubstag etwas besonders zu machen, besonderes zu entdecken oder ein besonderes Erlebnis zu finden. Dabei kommt das Kulinarische nicht zu kurz

Seilbahnstüble


Grosses Walsertal

 

 

 

Danke an Bludenz- und Vorarlbergtourismus für die Organisation


Kommentare

  1. Wow, echt wunderschöne Bilder und ich muss grad beschämt gestehen, dass ich das Große Walsertal als Vorarlbergerin noch nie besucht habe. Oje, sollte ich mal ändern. 🙂
    Liebe Grüße
    Christina

  2. Hallo Christina,

    danke. Das Große Walsertal ist eine besonders schöne Wanderregion mit vielen Sennalpen zum Einkehren. Viel Natur und nette Menschen. Wenn man die Welt gesehen hat, schätzt man die Heimat manchmal umso mehr.

    Liebe Grüße

    Andreas

  3. Paul Roder meint:

    Sehr schöne vertraute Bilder. Seit 1968 sind wir Stammgäste im Tal. Es ist unsere zweite Heimat. Kinder und Enkel fühlen sich genauso wohl. Seit 26 Jahren wohnen wir in Valentschina. Wir, eine ehemalige Abiklasse mit Freunden, wollen noch lang in dieses wunderbare Tal kommen.

    • Hallo Paul,

      ja, das Große Walsertal ist ein schöner Flecken in Vorarlberg für Erholung und Familie. Landschaft und Natur sind noch unverbaut und ursprünglich. Einfach schön.

      Gruß Andreas

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